Unsere Bloggerin Anna über den neuen Megatrend Mid-Century-Stil

Lampe Ikono von Norman CoppenhagenDie Sehnsucht nach Ruhe, Sicherheit und Beständigkeit, aber auch die Sehnsucht nach Altbewährtem – ohne jedoch in alte traditionelle Rollen zu verfallen – scheint sich wie ein rosa Faden durch die Trends des Jahres 2016 zu ziehen. Dabei darf man allerdings den Wunsch nach Mobilität und Flexibilität – am besten auf möglich kleinem Raum – auf keinen Fall außer Acht lassen.

Auch die Pantone Trendfarben wurden mit derselben Begründung ausgewählt.

Der Mensch scheint sich in unserer unbeständigen, sehr schnelllebigen Welt auf einer Überholspur zu befinden, die Ängste erzeugt, die wir in unseren eigenen vier Wänden zu bekämpfen suchen. Wir stürzen uns auf Klassiker, die uns an Beständigkeit erinnern. Oder auf Möbel, die multifunktional, klein und leicht, also optimal sind, um sich unserem wandelnden Lebensstil jederzeit anzupassen. Oder auf Farben, die Ängste und Stress vergessen lassen. Im Idealfall erinnern sie uns vielleicht an unsere behütete Kindheit.
Aus solchen Gefühlsregungen entstehen sie, die Megatrends.
„Mega“ deshalb, weil sie uns und unsere Umgebung beeinflussen. Es ist nicht nur eine Farbe, die jetzt „in“ ist, oder eine Materialart. Nein, es ist immer gleich ein ganzes Konglomerat an Dingen, die einen neuen Megatrend schaffen. Außerdem sind Megatrends deutlich langlebiger als die normalen Trends und kurzfristigen Hypes.Aufbewahrungskorb von FermLiving

Das Ziel aller Megatrends ist und bleibt es allerdings, dem Menschen zu helfen, sich und seine Umgebung zu ordnen, die Überforderung an Möglichkeiten zu einem überschaubaren Maß zu reduzieren und somit die Zukunft etwas berechenbarer zu machen und ihr etwas von der Angst des Ungewissen, des zu Überfordernden zu nehmen. In gewisser Weise bauen wir alle uns immer noch eine Höhle in der wir uns sicher fühlen vor der Welt „da Draußen“. Was wir in diese Höhle, mit hineinnehmen entscheiden wir selbst. Dass es sich dabei nur um solche Dinge handelt, die unsere Bedürfnisse befriedigen und unsere Wünsche erfüllen, versteht sich von selbst.

Wohnexperten legen sich auf folgende Megatrends fest: Konnektivität, Female shift, Silver Society, Mobilität, Neo-Ökologie, Gesundheit, New Work, Urbanisierung, Individualisierung, Globalisierung und Neues Lernen.
Ein weiterer Megatrend, der sich zudem durch viele andere Trends zu ziehen scheint, ist der Mid-Century-Stil. Dieser Stil ist uns zwar schon aus den 50iger und 60iger Jahren bekannt, allerdings erfährt er in den letzten Jahren so etwas wie einen zweiten Frühling. Während der Name dieses Megatrends eher ein Schattendasein führt und viele noch nie etwas von ihm gehört haben, sind die Designer, die für diesen Stil stehen, absolute Größen und weit über ihre Grenzen hinaus bekannt.

 Tischlampe Wood Lamp von Muuto

Entstanden ist der Mid-Century-Stil direkt in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Die Menschen hatten dank des Wirtschaftswunders Geld zur Verfügung und wollten sich endlich – nach der schlimmen Zeit des Krieges – wieder etwas gönnen. Leichtigkeit, Farbe und Lebensfreude sollte in den Wohnungen Einzug halten. Dem Leben innerhalb der Wohnung sollten weniger Grenzen und Einschränkungen gesetzt werden. Der Blick sollte in großen freien Räumen die Weite finden können. Themen wie die offene Küche und die Öffnung zum Garten entstanden. Dank neuer Materialien entstanden bunte, massenproduktionsfähige Möbel mit organischen Formen. Es war die Zeit von Ray & Charles Eames, George Nelson, Isamu Noguchi, Alexander Girard und Andy Warhol. Und die Zeit von Arne Jacobsen, Alvar Aalto und Henning Koppel, Morgens Lassen. Bei einigen von diesen Namen dürfte es im designaffinen Ohr ordentlich klingenl, denn es handelt sich um echte Designgrößen, deren Produkte sich bis heute einer wirklich großen Beliebtheit erfreuen.

Kubus Serie von Morgens Lassen

Aber warum?
Liegt es daran, dass sie schlicht und einfach gut gemacht sind, oder daran, dass sie eine Sehnsucht erfüllen, die für uns heute immer noch Bestand hat?
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass für diese Designer der Fokus auf dem Menschen lag. Die Designer wollten Produkte schaffen in denen sich – zuallererst – der Mensch wohlfühlen sollte. Das Ganze wurde mit Farben und Materialien unterstützt, aber nicht um dann nach außen hin „Eindruck“ zu machen, sondern um dem Menschen persönlich zu gefallen und es ihm behaglich zu machen. Da ist sie wieder: die Ruhe und Sicherheit von der ich am Anfang gesprochen habe.
Fest steht, dass sie uns ein Gefühl von Leichtigkeit, Ruhe und Optimismus vermitteln und vielleicht auch etwas Lust auf die Zukunft. Und das ist es wohl, wonach wir uns zur Zeit am meisten sehnen.

Auch einige unserer Hersteller haben diese Strömung erkannt und angefangen in ihren Archiven zu wühlen, um Produkte aus der Zeit des sogenannten Mid-Century-Stil wieder neu aufzulegen und in ihr aktuelles Programm aufzunehmen.
Und ich bin wirklich sehr froh darüber!
Mosaikbild Marilyn von IXXIEs ist schon erstaunlich, welche Design-Ikonen auf Entwurfpapier in den Regalen traditionsreicher Firmen so schlummern. Manche Entwürfe gab es sogar nur auf Papier, da man sie früher noch nicht herstellen konnte, andere wiederum wurden nur nur zwei mal gefertigt und dann nicht weiter verfolgt. Der formschöne Kerzenleuchter von Søren Georg Jensen z.B. war der Entwurf eines Altarkerzenhalters aus dem Jahr 1960. Er sollte das Interieur einer modernen skandinavischen Kirche komplettieren. 2007 entschied sich das Design Unternehmen Georg Jensen dazu, diesen Kerzenhalter wieder neu auf den Markt zu bringen, jetzt allerdings in Edelstahl und nicht in Silber. Das Ausgraben echter Designklassiker betreffend, braucht Iittala sein Licht auch nicht unter den Scheffel zu stellen. Die Kastehelmi-Serie, beispielsweise ist trotz ihres Entwurfsalters (1964) immer noch absolut angesagt.

Auch groß angesagt sind die wunderschönen schwarz-weißen Fotos aus den 50/60 Jahren. Wer kennt sie nicht? Marilyn Monroe, die versucht ihr Kleid unten zu halten, während sie über einem Luftschacht steht, oder die Damen die sich mit schönen Badeanzügen, Sonnenbrillen und Strohhüten in der Sonne räkeln. Das hat sich wohl auch die Design Firma IXXI gedacht und gleich ihr wunderschönes Repertoire um schöne Klassiker – ganz in schwarz-weiß – erweitert.Design Letters

Die Designfirma Design Letters baute sogar ihr ganzes Firmenkonzept auf einer von Arne Jacobsen entworfenen Schrift auf. Mittlerweile sind auch grafische Muster von Arne Jacobsen hinzugekommen, die ursprünglich den Fußboden in einem von ihm entworfenen Hotels zierten.

Ich glaube man darf gespannt sein, was so manche Firma noch in ihren Archiven findet aber auch was sich die Designer der heutigen Generation einfallen lassen.

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