Sebastian Herkner

Sebastian HerknerAls designaffiner Mensch werden Sie diesen Namen in letzter Zeit vermehrt gehört oder gelesen haben. Kaum ein Design Event oder eine Designzeitschrift scheint ohne ihn auszukommen. Er ist Everybody’s Darling. Der Shooting-Star am Designer Himmel. Aber was ist es, das ihn so faszinierend macht?

Es sind seine Ideen, seine Produkte, die einfach anders sind. Produkte, die vielleicht die richtigen Geschichten erzählen.

Auf den ersten Blick ist der 35-jährige Sebastian Herkner aus Offenbach ein ganz normaler, relativ ernsthaft wirkender Mann. Nach seinem Studium machte er 2007 seinen Abschluss in Industrie Design an der Akademie of Art and Design in Offenbach. Schon während seines Studiums besuchte er viele Design-Messen, meistens war er allerdings als Aussteller vor Ort und nur selten als Besucher. Als er schließlich sein Design-Studio in Offenbach eröffnete, hatte er schon viele Kontakte innerhalb der Design-Sezene geknüpft.

Es fällt schwer, diesen einfallsreichen Designer in eine Schublade zu stecken –  was ihn wahrscheinlich freuen dürfte.

Sebastian Herkner spielt gerne mit den Erwartungen die an ihn herangetragen werden, aber auf keinen Fall um zu gefallen, sondern um anzuecken, um sich zu reiben. Er will nicht langweilen, er will überraschen. Ist Messing en vogue arbeitet er mit Chrom, ist es modisch, möglichst filigrane und zarte Stühle zu entwerfen, wird es bei Herkner bestimmt ganz anders.

Wanduhr Minis von Rosenthal

Wanduhr Mitis entworfen für Rosenthal

Er möchte Produkte entwerfen die zum Anfassen animieren, die den Betrachter dazu anregen, nachzudenken. Er sagt selbst, dass Produkte Persönlichkeit und Charakter haben müssen und dass es wichtig ist wie sie altern. Gerade das macht schließlich den Charakter eines Produktes aus. Bislang ist es ihm immer wieder gelungen, mit dieser Herangehensweise Produkte zu schaffen, die Geschichten erzählen und den Zeitgeist des Publikums treffen. Auch wenn es vielleicht Trends waren, die erst durch sein Produkt entstanden. Vielleicht ist das auch schon das Geheimnis seines Erfolgs. Gefallen kann jeder, aber Trends setzen und finden, das gehört schon in die Meisterklasse.

Wanduhr Felt von Jeff Amsterdam

Wanduhr Felt entworfen für Leff Amsterdam 


Es gibt kaum eine namenhafte Firma, die noch nicht mit ihm zusammen gearbeitet hat. Moroso, Classicon, De Vorm, Carl Mertens, Rosenthal, Leff Amsterdam, um nur einige wenige der langen Liste zu erwähnen. Schaut man sich an welche Preise und Anerkennung er allein in den letzten zwei Jahren eingeheimst hat, so muss man schon Zeit mitbringen, denn die Liste ist lang!

Sebastian Herkner scheint kein Mensch zu sein, der die Füße still hält, im Gegenteil! Im Durchschnitt sind es zehn bis zwölf Projekte an denen er gleichzeitig arbeitet. Es ist schon eine ordentliche Leistung, so viele wundervolle Produkte mit einer optisch so weiten Bandbreite mit so vielen unterschiedlichen Firmen in so kurzer Zeit zu kreieren.

Ein Teil des unerschöpflichen Material-Regals von Sebastian Herkner. Schön zu sehen, die Papier und Styropor Modelle mit Aluminiumkragen für seine Vase Falda. Und auch der Bell Table aus Glas und Messing, mit dem seine Design Kariere begann. In seinem Atelier steht ein riesengroßes Materialregal, was vielleicht das Herz seiner Entwürfe und Ideen ist. Hier sammelt er alles, was ihn anzieht oder fasziniert, vom Alltagsgegenstand bis hin zum Designobjekt. Mal ist es ein interessanter Stoff oder eine spannende Farbkombination, mal eine interessante Verbindung oder vielleicht das Muster auf einer Schale. Interessanterweise findet man dort auch eine ganze Reihe von Besenvariationen die hauptsächlich aus dem asiatischen Raum stammen. Ihn fasziniert wie die Fasern mit Draht oder Schnur befestigt sind, außerdem liegt den Produkten eine große Sorgfalt und eine solide Verarbeitung inne, Werte die für den Designer von großer Bedeutung sind. Neue Fundstücke aus diesem Regal müssen nicht sofort zum Einsatz kommen, manchmal schlummern sie auch eine Zeit lang, bevor ihr großer Auftritt kommt und sie den Designer mit einer neuen Idee beglücken. In diesem Sammelsurium befindet sich auch ein Tannenzäpfle, ein Kultbier aus dem Schwarzwald.

Man mag es kaum glauben, aber die Flasche war die Inspiration zu seiner Vase Falda, die er für Rosenthal entworfen hat. Ihre eingefaltete goldfarbene Aluminiummanschette barg die zündende Idee für eine Vase, mit einem gefalteten, ausladenden Kragen. Die Vase hat einen bauchigen Körper, der sich theatralisch, kelchförmig und plissiert nach oben öffnet. Sie ist aus weißem Biskuitporzellan gefertigt, das im fabelhaften Kontrast zu der gold- oder kupferfarbenen Glasur im Vaseninneren steht. Wirklich ein wundervolles Produkt, das sogar ohne Blumen unwiderstehlich aussieht. Da sie aus einem Stück gefertigt wird, stellte sie eine echte technische Herausforderung selbst für die erfahrensten Porzelliner dar.

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Vase Falda entworfen für Rosenthal

Herkner hat scheinbar die Gabe, auch in den einfachsten Dingen das Besondere zu entdecken. Diese Gabe, gepaart mit einer guten Portion Neugierde und dem Wagemut ungewöhnliche Farb- oder Materialkombinationen zu wagen, machen seine Entwürfe so einzigartig. Die Vase Falda ist dafür ein gutes Beispiel. Aber da gibt es noch etwas, was seine Arbeit so besonders macht, seine Liebe zum traditionellen Handwerk.
Er taucht gerne in die Welt des jeweiligen Materials ein, um zu sehen wie es verarbeitet wird. Der Austausch mit den Meistern und Gesellen, um mehr zu erfahren und von ihrem reichhaltigen Wissen zu profitieren, ist dabei wesentlich. Er liebt es, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, um den Menschen direkt über die Schulter zu schauen, wenn sie ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten zeigen. Schließlich sind sie es, die später seine Entwürfe umsetzten. Diese Neugierde, ist es, die ihm immer wieder neue Einblicke verschafft aus denen neue Ideen wachsen, dabei liegt sein Fokus auf den traditionellen Handwerkstechniken, die er dann mit neuen Technologien kombiniert. Aus seiner Sicht ist Handwerk ehrlich. Man sieht einfach, wenn etwas per Hand und nicht von einer Maschine hergestellt worden ist. So sieht er in Glas mit eingeschlossenen Luftblasen oder mit Schlieren nur die Einzigartigkeit dieses von Hand geschaffenen Produkts, und kein fehlerhaftes Ergebnis, wie viele andere es sehen würden.

vase_domoFür Rosentahl entwarf Sebastian Herkner noch eine weitere Vasenserie, die seine klare Handschrift trägt. Sie heißt Domo. Im Focus stand bei diesem Projekt das Material, durchgefärbtes Porzellan in sanften Trendfarben. Die Raffinesse dieser Vase liegt darin, dass er geometrische Elemente miteinander verschmelzen ließ. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Hier trifft rund auf eckig, traditionelle Handarbeit auf frisches Design und edle traditionelle Materialien auf frische Trendfarben. Das hochwertige Biskuitporzellan mit seinem matten Finish zeigt das ganze Können und die handwerkliche Perfektion der Firma Rosenthal.

Die Vase scheint auf einem zarten Porzellankreuz zu ruhen, dessen Streben an den Seiten der Vase entlang nach oben laufen. Das hochwertige, matte Material, die zarten Töne und die filigranen Streben lassen die Vase leicht und luftig wirken und geben ihr einen unverwechselbaren Look. Domo wird zu einem Design-Statement, egal ob auf dem Sideboard, dem Tisch oder im Regal und das sogar mit und auch ohne Blumen.

Wir dürfen gespannt sein, was Sebastian Herkner noch für mannigfaltige Ideen aus seinem Material-Regal zu ziehen weiß, um uns zu überraschen.
Aber es ist einfach schön zu sehen, dass es immer noch Designer gibt, die zu schätzen wissen, was traditionelles Handwerk leisten kann und wie viel Potenzial darin steckt, es richtig einzusetzen. Ein treuer Lebensbegleiter der zusammen mit seinem Besitzer altert, braucht eben gewisse Qualitäten.

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